Die Insel

Irgendwann kennt man den Weg auswendig. Raus aus Hochheide, vier Stunden Bus, dann die Fähre ab Holwerd, 45 Minuten über das Watt, und plötzlich taucht sie auf: Ameland. Für viele von uns seit Kindheitstagen das schönste Ziel der Welt.

Ameland ist eine der fünf bewohnten westfriesischen Inseln in der niederländischen Nordsee, knapp 300 Kilometer von Duisburg-Hochheide entfernt und doch eine eigene Welt. Die Fähre legt am Steiger in Nes an, dem größten der vier Inselorte. Hollum, Ballum, Nes und Buren, in dem auch unsere Unterkunft liegt, teilen sich rund 3.500 echte Ameländer. Im Sommer kommen bis zu 20.000 Kinder und Jugendliche dazu, die mit Gruppen und Freizeiten die Insel bevölkern und ihr Bild in dieser Zeit vollständig prägen. Wir sind dann mittendrin, seit 69 Jahren.

Was die Insel so besonders macht, lässt sich kaum auf eine Liste bringen, aber ein paar Dinge kehren jedes Jahr wieder. Der Leuchtturm am Bornrif, den wir per Bully, Fahrrad oder Treckerfahrt am Strand ansteuern. Die Sprunddünen, in denen man sich als Kind wie in einer anderen Welt fühlt. Der Wald, der Abenteuerspielplatz „In de Vleyen“ in Nes, das Schwimmbad von Klein Vaarwater. Und natürlich der Strand, der endlose, weite Strand, an dem man laufen kann, bis man irgendwann einfach stehen bleibt und nichts mehr braucht.

Das Wattenmeer vor der Insel gehört seit 2009 zum UNESCO-Weltnaturerbe, ausgezeichnet wegen seines außergewöhnlichen universellen Wertes. Wer einmal mit den Kindern durchs Watt gewatet ist, Krabben gefangen, Muscheln gesammelt und den Horizont ohne ein einziges Gebäude gesehen hat, versteht sofort, warum dieser Ort geschützt wird. Es ist eine der wenigen Stellen, an denen Kinder heute noch echte Natur erleben, unberührt und überwältigend.

Die Insel hat auch abseits des Lagers ihren ganz eigenen Rhythmus. Die Ameländer sind ein bodenständiges, herzliches Volk, das den Sommer mit seinen tausenden Besuchern kennt und trotzdem seinen Charakter behalten hat. In Nes gibt es kleine Läden, Eiscafés, die Kirche, den Marktplatz. In Buren ist es ruhiger, ursprünglicher, und genau das schätzen wir. Wer einmal durch den Ort spaziert und die Dünen dahinter sieht, versteht, warum wir nirgendwo anders sein wollen.

Ameland ist ein Paradies. Für Kinder, für Jugendliche, für Erwachsene. Und der beste Beweis dafür: Unser Team ist auch in den privaten Ferien dort anzutreffen. Manche von uns kommen im Frühjahr, manche im Herbst, manche einfach dann, wenn es geht. Die Insel ist für viele von uns keine Reise mehr, sondern eine Rückkehr.

Tot ziens, wie die Ameländer sagen. Auf Wiedersehen.